Pia im Paralleluniversum
Pia pustet sich ihren Fransenpony aus dem Gesicht. Es wird höchste Zeit, ihn mal wieder schneiden zu lassen.
Sie sitzt auf der breiten Innenfensterbank ihres Zimmers im zweiten Stock und schaut auf die Bäume im Park gegenüber. Es ist so ein Tag zum Sinnieren über das Leben: Der Himmel ist grau, hin und wieder fallen ein paar vereinzelte Tropfen auf die Erde. Vor Pia steht eine Tasse Kräutertee und sie hat es sich gemütlich gemacht, während ihre Gedanken vom Haareschneiden zur Weite der Welt fließen.
Ob es wohl eine Realität parallel zu unserer gibt, fragt sie sich, und ob es dort auch eine Pia gibt, die im zweiten Stock eines Hauses in der Stadt wohnt? Womöglich ist es auch eine Realität, in der es solche Häuser gar nicht gibt – oder ich bin an einem ganz anderen Ort auf der Welt geboren und statt deutscher Hauswände betrachte ich beispielsweise asiatische Holzbauten. Ist mein Geschlecht wohl dasselbe?
Wie ausgedehnt könnte solch eine Realität sein? Handelt es sich einfach um einen anderer Planet mit Leben oder gar ein ganzes Paralleluniversum? Und was wäre, wenn diese beiden Realitäten voneinander erfahren könnten?
Auf einmal überkommt Pia ein Kribbeln und ihre Finger fliegen wie von selbst zu Stift und Papier, die auf dem unaufgeräumten Schreibtisch neben dem Fenster liegen. Wenn es soweit kommt, denkt sie, könnte es doch sein, dass ich gar nicht mehr existiere, vielleicht sogar das Leben in dieser Form gar nicht mehr existiert. In diesem Falle möchte ich der anderen Pia wenigstens einen Einblick hinterlassen! Es soll ein Bericht über dieses Leben sein, dann kann sie es abgleichen, verstehen, sich inspirieren lassen oder auch davon lernen.
Sie setzt den Stift an und schreibt: Pia und das Paralleluniversum.
