Pia und die Schulfächer
Die Küchentür quietscht, als Pia sie öffnet, und die junge Frau macht sich innerlich eine Notiz darüber, dass dringend etwas Öl auf das Scharnier gehört. Während sie darauf wartet, dass das Wasser für ihren Kräutertee kocht, denkt sie über den zurückliegenden Tag und ihre Diskussion mit Luise nach.
Luise befindet sich im Lehramtsstudium und derzeit wird viel über die Umstrukturierung des Unterrichts und das Streichen einzelner Unterrichtsfächer gesprochen. Dabei ging es in dem Gespräch der beiden Freundinnen vor allen Dingen um die Fächer, die zu ihrer eigenen Schulzeit neu aufgenommen wurden und dem eigentlichen Bildungsauftrag der Jahrzehnte davor nicht entsprachen.
Damals entschied man sich dafür, Humanität als stärksten Fokus in der Bildung zu setzen – und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Ausgegangen war die Initiative von den Länderzusammenschlüssen um das Mittelmeer. Bis zum heutigen Tag ist das Erlernen von Friedensfähigkeit, das Wahrnehmen des eigenen Herzens und seiner Weisheit sowie der richtige Umgang mit Informationen ganz zentral im Alltag der Lernenden.
Pia denkt an die vielen Stunden, in denen ihre Klassenkameraden und sie gelernt hatten, einander ehrlich zu begegnen. Wie gut es tat, Unstimmigkeiten durch schöne Gesprächsmethoden und körperliche Wahrnehmung zu lösen. Lernen zu dürfen, wie bereichernd Vielfalt und Miteinander ist, war ein Geschenk für sie persönlich, aber auch für den Umgang aller miteinander.
„Ich gehe davon aus, dass die Fächer bleiben werden“, kam Luise zum Ende ihres Treffens zu einem Ergebnis, das sie beide vertreten. „Wir sind als Menschheit noch nicht so weit, dass wir Frieden und tiefe Verbundenheit automatisch weitergeben, dafür braucht es bestimmt noch ein wenig länger, aber wir befinden uns auf einem sehr guten Weg.“
